Open-Space-Konferenz zur Flüchtlingsarbeit im Historischen Rathaus Köln

Am 30.09.2016 trafen sich im Historischen Rathauses zu Köln 170 Praktiker der Integrationsarbeit, bürgerschaftlich Engagierte, Vertreterinnen und Vertreter aus Verwaltung, Politik, Geflüchtete und EU-Zuwanderer zu einer Open-Space-Konferenz.

"Wir alle sind Stadtgesellschaft – Zusammenkommen – Verstehen – Gestalten!"

So lautete das Motto unter dem Menschen aus Köln mit ganz verschiedenen institutionellen und persönlichen Hintergründen zusammengekommen sind. Die Veranstaltung war als Open-Space-Konferenz konzipiert und das hatte seinen guten Grund. In der Vorbereitung war bereits klar geworden, dass die Fragestellungen und Anliegen so vielfältig und komplex sind, dass die Initiatoren die Themen nicht zuvor willkürlich eingrenzen wollten.

Ausgelöst durch die rasante Zunahmen der nach Köln gekommenen Geflüchteten im Jahr 2015 entstand im Arbeitskreis der Interkulturellen Zentren der Stadt Köln der Bedarf, sich einen Überblick über die aktuellen Aktivitäten und Angebote der in diesem Bereich Tätigen in Köln zu verschaffen. Gleichzeitig bestand die Einschätzung, dass bereits viele Akteure auf dem Feld der Arbeit mit Geflüchteten unterwegs sind und es nicht das Ziel sein könne, dass die Zentren ebenfalls einen Platz in den Willkommensangeboten beanspruchen sollten. Vielmehr müsse es um eine mit anderen Akteuren abgestimmte Verortung der Zentren im Prozess der langfristigen Integration gehen.

Die Initiatoren (der AK der Interkulturellen Zentren und das KI-Köln) haben sich bewusst für die Konferenzmethode "Open Space" entschieden, weil dadurch die Möglichkeit besteht, mit sehr unterschiedlichen Akteuren über die vielfältigen und vielschichtigen Themenfelder ins Gespräch zu kommen, voneinander zu lernen, gemeinsam neue Ideen zu entwickeln und dass Teilnehmende sich als Gestaltende der Stadtgesellschaft wahrnehmen. Der offene Charakter der Konferenz wurde in der Vorbereitungsgruppe bereits durch die Beteiligung von drei jungen Geflüchteten an der Konzipierung der Veranstaltung vorweggenommen.

Wer ist der Arbeitskreis der Interkulturellen Zentren?

Dem AK Zentren gehören alle anerkannten Interkulturellen Zentren in Köln an. Er ist ein von den Richtlinien zur Förderung der Interkulturellen Zentren vorgeschriebenes Vernetzungs- und Informationsnetzwerk. Die Geschäftsführung und damit die fachliche Begleitung des AK obliegen dem KI-Köln. Die Interkulturellen Zentren engagieren sich seit bald über 50 Jahren, seit 1979 auch mit finanzieller Förderung durch die Stadt Köln, für das interkulturelle Zusammenleben in der Stadt und fördern für und in Zusammenarbeit mit Menschen mit Migrationsgeschichte das gleichberechtigte und friedliche Miteinander aller in Köln. Interkulturelle Zentren sind somit wichtige Orte der Begegnung für Menschen verschiedener Lebenswirklichkeiten, unterschiedlicher kultureller und sozialer Herkunft. Die Zentren arbeiten auf der Basis der kulturellen Gleichwertigkeit und gegenseitigen Respekts und setzen sich dafür ein, dass Mitwirkung und gleichberechtigte Teilhabe ermöglicht werden. Der AK Zentren trifft sich ca. ¼- jährlich.

Was ist auf der Konferenz passiert?

Insgesamt haben 19 Arbeitsrunden stattgefunden, eine davon ganztägig mit wechselnden Teilnehmenden, die auf gestalterische Weise ihre Vision des "Our House", in Form eines interkulturellen Hauses entworfen haben. Hier sollen lediglich einige Themen exemplarisch benannt werden:

  • Bildung und Berufseinstieg von weiblichen Geflüchteten und Migrantinnen
  • Sprache + Arbeit + Freizeit miteinander verbinden
  • Geflüchtete mit besonderem Schutzbedarf: zum Beispiel Homophobie und Transphobie
  • Übersetzungen fehlen auf allen Briefen – Skizze des Ablaufs nach der Registrierung in Deutschland
  • Ehrenamtliche Unterstützung: Wie können wieder mehr Unterstützer motiviert werden?
  • Mehr Chancengleichheit und Motivation von geflüchteten Kindern und Jugendlichen
  • Sanitäre und hygienische Zustände in den Unterkünften
  • Den Alltag als Geflüchtete mit 5 Kindern meistern (davon 3 schulpflichtig)
  • Von Multikulturalität und Ghettoisierung zu einer wirklichen Teilhabe
  • Mehr Informationen über die Anliegen und Probleme von Geflüchteten um gezielte Hilfe anbieten zu können.

Eine multisprachliche Konferenz

Zur Konferenz waren auch Geflüchtete eingeladen. Damit war klar, es muss auch Übersetzungen geben und die Planung der Zeitabläufe muss so großzügig sein, dass Übersetzungen im laufenden Prozess möglich sind. In Kooperation mit bikup (Internationale Gesellschaft für Bildung, Kultur, Partizipation gGmbH) standen zwölf angehende und zertifizierte Sprach- und IntegrationsmittlerInnen für Dolmetscherdienste in acht Sprachen zur Verfügung. Sie waren gut sichtbar durch T-Shirts gekennzeichnet und haben den Austausch zwischen Eingesessenen und Neubürgern sprachlich und fachlich unterstützt. Gerade hierin hatten die Initiatoren im Vorfeld eine große Herausforderung gesehen. Die Konferenz hat Mut gemacht, diesen Weg weiterzugehen.

Wie soll es weitergehen?

Die Vorbereitungsgruppe wird die Ergebnisse aus der Dokumentation noch einmal sichten und Kernpunkte herausarbeiten, sowie eine Auswertung der Konferenzerfahrung vornehmen. Das Interesse von Teilnehmenden der Konferenz an der Mitarbeit wurde abgefragt. Diese InteressentInnen werden zur Weiterarbeit eingeladen.

Dokumentation der Veranstaltung

Auswertung der Open-Space-Konferenz